Grabstätte der Familie Friedrich Wilhelm Tröger

Wandgrabstelle um Abteil L

 

Foto: Brigitte Kunze, 2024

Als zweiter Sohn des Bäckermeisters Carl Gottlob Tröger erblickte Friedrich Wilhelm Tröger am 24. August 1829 in Plauen das Licht der Welt.  Er trat in die Fußstapfen seines Vaters und erlernte ebenfalls den Beruf eines Weißbäckers. Friedrich Wilhelm und Carl Hermann (siehe Nachbargrab) waren Brüder.

Am 13. Mai 1856 heiratete Friedrich Wilhelm Pauline Luise Taubert, die Tochter des Kunstgärtners Carl Ferdinand Taubert. Aus der Ehe gingen fünf Söhne und drei Töchter hervor. Wilhelm Tröger galt in weiten Kreisen als bekannter und allgemein geachteter Mitbürger der Stadt Plauen. Seine Bäckerei befand sich auf der Dobenaustraße 37.

1891 erwarb Friedrich Wilhelm Tröger die Nutzungsrechte für die Familiengrabstätte Nr. 75. Im Alter von 20 Jahren verstarb am 25. Januar 1891 seine jüngste Tochter Maria Margarethe.

Er selbst starb am 22. April 1898, 68-jährig, in Bad Elster während eines Besuchs im Haus eines seiner Söhne, dem Besitzer des Hotels "Daheim", nach dem Mittagessen an einem Hirnschlag. Im Nachruf, abgedruckt im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt vom 24. April 1898, wird auf die langjährige Mitgliedschaft in verschiedenen städtischen Ausschüssen hingewiesen.  Er war Vorsteher der damaligen Jagdgenossenschaft sowie Mitglied im Forst- und Armenausschuss.

Ein separat aufgestellter Grabstein verweist auf Karl Otto Tröger. Als drittes Kind und zweiter Sohn von Friedrich Wilhelm wurde er am 25. März 1860 geboren und starb am 09. März 1922.  Ausführlich wird sein Leben im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt geschildert.

 

Foto: Brigitte Kunze, 2024

Man beschreibt ihn als hochbegabt und ungewöhnlich fleißigen jungen Mann. Er erhielt eine kaufmännische Ausbildung in der Stickerei- und Spitzenfabrik von Oskar Zschweigert, die sich in der Schloßstraße 31, später umbenannt in Schloßstraße 15/17, befand. Seiner Militärpflicht kam er bei den Schützen in Dresden nach und Mitte der 1880er Jahre unternahm er eine Weltreise, die ihn bis nach Ostasien führte. Nach seiner Rückkehr war er zunächst wieder bei Oskar Zschweigert tätig, wechselte zur Firma Wild-Mammen, bis er in der erstgenannten Firma als Teilhaber eintrat. Eine schwere Erkrankung im Jahre 1913 zwang ihn, sich vorübergehend von seinen Tätigkeiten zurückzuziehen, doch beteiligte er sich nach einiger Zeit als Kommanditist an der Spitzenfabrik E. Engelhardt & Co.

Er war Mitbegründer und über viele Jahre auch Vorsitzender des seit dem 23. Februar 1894 bestehenden Fabrikanten-Vereins der Stickerei- und Spitzenindustrie. Zweck dieses Vereins war, die allgemeinen Interessen der Stickerei- und Spitzenindustrie in Sachsen zu wahren. Das Klären praktischer, gewerblicher und geschäftlicher Fragen sollte den Fabrikanten helfen und der gemeinsamen Verständigung dienen.

Von 1903-1909 gehörte er als Mitglied der Handelskammer Plauen an, wirkte bis zu seinem Tod im Verband sächsischer Industriellen, war Stuhlmeister der Freimaurerloge "Pyramide", wie auch Ehrenmitglied verschiedener auswärtiger Logen.

Quelle: Festschrift der Freimaurerloge "Pyramide" von 1928

Otto Tröger fühlte sich dem Vogtland sehr verbunden. Heimatlichen Interessen zu dienen war ihm eine selbstverständliche Pflicht. So schreibt man u. a. im Nachruf:

"Als nach Louis Riedels Tod seine zahlreichen Verehrer ein würdiges Grabdenkmal zu schaffen sich mühten, sprang er in die Bresche und organisierte die Sammlung. Hermann Vogel war gestorben, und sein umfänglicher künstlerischer Nachlaß war in Gefahr, in alle Winde zerstreut zu werden. Otto Tröger war der erste, der daran ging, die Mittel aufbringen zu helfen, um das Wertvollste den heimatlichen Sammlungen zu erhalten."

Aus Otto Trögers Feder stammen die Bücher:

"Theodor Bickel, der Begründer der sächsischen Tüll-Spitzen-Industrie" und

"Friedrich Ludwig Böhler: Lebensbild eines Plauischen Handelsherrn und Industrieellen"

Überliefert ist als Sonderabdruck aus der "Neuen Vogtländischen Zeitung" ein von ihm 1912 gehaltener Vortrag "Werde- und Entwicklungsgang der Plauener Industrie". Seine Publikationen dienen heute noch Historikern als Arbeitsquelle.

1895 heiratete Otto Tröger Margarethe Münzing, die Tochter von Theodor Münzing und Anna geb. Dreysel. Aus der Ehe gingen die Kinder Elfriede, Hildegard und Herbert hervor.

Bis zum letzten Atemzug unermüdlich tätig, ereilte ihn am Schreibtisch der Tod.

Otto Tröger galt als hervorragender Repräsentant der Plauener Industrie. Das beweisen elf Trauerbekundungen abgedruckt im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt vom 11. und 12. März 1922.

 

Quellen:

Wandstellenbuch Friedhof I, Abteilung III,

Kirchenbücher St. Johannis,

VAT Nr. 93 v. 24. April 1898

Adressbuch 1894-95, Seite 256

VAT v. 11.03. und 12.03.1922

Willy Erhardt – Das Glück auf der Nadelspitze    

 

Plauen, Februar 2024

© Brigitte Kunze