Grabstätte der Familie Schimmig

 Abteil "P"

Kurzbeschreibung der Grabstätte:

Die Familie Schimmig wählte für ihre Ruhestätte einen monomentalen Grabstein aus Granit. Diese robuste und zugleich auch elegant wirkende Gesteinsart sorgte dafür, dass das Grabmal auch nach den vielen Jahren beständig und ohne Witterungseinflüsse erhalten blieb.

Die Schrifttafel mit den Lebensdaten der Verstorbenen könnte aus dem um 1900 häufig verwendetem Gabbro-Gestein gefertigt sein, das für seine Härte und Widerstandsfähigkeit bekannt ist.

Eine noch existierende Fotografie aus den 1960er Jahren zeigt die Skulptur einer Trauernden, die einst Teil der Ruhestätte der Familie Schimmig war. Diese Skulptur, die nicht nur künstlerischen, sondern auch emotionalen Wert besaß, existiert nicht mehr. Ihr Verschwinden wirft Fragen auf und lässt Raum für Spekulationen. Wo könnte sie verblieben sein? Sie hatte eine besondere Bedeutung für die Familie, symbolisierte sie doch den Schmerz und die Trauer über den Verlust geliebter Menschen. 

Foto: Friedhof I, Plauen

Personengeschichtliche Bedeutung:

Carl Heinrich Theodor Schimmig wurde am 6. Dezember 1852 als 2. Sohn und 6. Kind des Schuhmachers Christian Eduard Schimmig und seiner Ehefrau Amalie Friederike Schlosser aus Leipzig geboren.

Theodor heiratete Selma Therese Feustel aus Elsterberg. In den Kirchenbüchern von St. Johannis Plauen werden die Daten von sechs Kindern geführt, fünf Töchter und ein Sohn wurden geboren. Aus den Taufeinträgen ist erkennbar, dass Theodor viele Jahre als Ratsarchivar tätig war. Ab1886 nahm er eine neue berufliche Herausforderung an und arbeitete als Buchhalter in der Brauerei Stöckigt der Gebrüder Hüttel.

Am 7. Dezember 1909 starb er an den Folgen eines Hirnschlags.

Die Todesanzeigen, abgedruckt im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt zeugen von einem Leben voller Arbeit, Hingabe und Liebe zu seiner Familie. Sein Arbeitgeber, die Brauerei Stöckigt, würdigte ihn als einen „guten und pflichtbewussten Beamten“.

VAT 11.12.1909

 

VAT 09.12.1909

Die Familie Schimmig war in vielerlei Hinsicht typisch für das 19. Jahrhundert, geprägt von familiären Werten und dem Streben nach sozialem Aufstieg. Sicher wuchsen die fünf Töchter in einem heimeligen Umfeld auf, in dem Bildung und kulturelle Werte eine besondere Rolle spielten. Besonders hervorzuheben wäre die am 30. Januar 1884 geborene jüngste Tochter Hedwig. Sie wird in den Plauener Adressbüchern als Kontoristin geführt.

Dem am 20. Januar 1880 geborenen einzigen Sohn Theodor Ewald Willy wurde eine besondere Ausbildung zuteil. Er besuchte das Plauener Lehrerseminar und unterrichtete bereits ab 1900 mit Beginn der Hälfte seiner Seminarzeit als Hilfslehrer an einer Volksschule in Reichenbach i. V. Drei Jahre später, ab 1903/1904, wird er im Adressbuch als Lehrer an der 1. Höheren Bürgerschule geführt. Diese Schule stand in der Bärenstraße, galt als eine gehobene Bürgerschule und trug ab 1920 den Namen „Karlschule“.

Aus der Todesanzeige für die am 20. Dezember 1918 verstorbene Mutter ist erkennbar, dass Willy noch nicht vom Ersten Weltkrieg zurückgekehrt war. 1920 wird er letztmalig als Lehrer im Adressbuch unter der Wohnanschrift, Neustadtplatz 7, erwähnt.

Sicher war die Zeit als Lehrer für Willy prägend. Doch die am 8. April 1920 eingegangene Ehe mit Babette Baderschneider aus Bad Steben führte zum Wechsel seines beruflichen Werdeganges. In Bad Steben leitete er als Fabrikant eine Handstickerei und Wäschefabrikation und etablierte sich als angesehener Geschäftsmann in der neuen Heimat.

 

Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, April 1920

Genau wie sein Vater wurde auch Willy zeitig aus dem Leben gerissen. Er starb am 19. Dezember 1936 im Alter von 56 Jahren. Er hinterließ die Witwe und einen Sohn Wilhelm.

 

VAT 22.12.1936

 

Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 17.09.1938

Der frühe Tod Willy Schimmigs wird nicht auf der für die Familie vorgesehenen Schrifttafel erwähnt, sondern auf einem rechts im Grabstein eingelassenem Kreuz besonders hervorgehoben. Das Kreuz symbolisiert den Glauben an die Auferstehung.

Sohn Wilhelm, am 2. März 1921 geboren und als Ingenieur ausgebildet, wurde nur 29 Jahre alt. Sein Tod am 21. Dezember 1950 in Bayreuth war sicher für die Mutter ein schwerer Schicksalsschlag. Sie überlebte ihn und starb am 25. August 1952 in Bad Steben.

Quellen:

Tauf- und Sterbeeinträge Kirchenbücher St. Johannis Plauen

Historische Plauener Adressbücher

Todesanzeigen VAT Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt (VAT) Regionalbibliothek Plauen

Daten zu Babette und Wilhelm Schimmig über archion.de

Ich danke Frau Andrea Harnisch für die Hinweise zum Lehrerstudium und

für ihre Recherchen zum Aufenthalt der Familie Willy Schimmig in Bad Steben

 

April 2025

© Brigitte Kunze