
Foto: Friedhof I, 2025
Kurzbeschreibung des Grabmals:
Crailsheimer Muschelkalk aus Satteldorf / Baden-Württemberg
Die Grabanlage wurde am 8.01.1907 von Max Paul Mainzer, dem Sohn Julius Mainzers, für dessen Beisetzung erworben.
Personengeschichtliche Bedeutung:
Der Kaufmann Julius Mainzer (1850 in Weikersheim bei Mergentheim in Württemberg-7.12.1906 in Plauen) war das jüngste der zwölf Kinder des Rabbiners Maier Aron Mainzer (1798 in Gaukönigshofen- 1861 in Weikersheim) und Therese Mainzers, geb. Bing (1807-1881). Er kam um 1880 nach Plauen als einer der ersten Juden, die sich nach dem Erlass des Freizügigkeitsgesetzes* im Vogtland ansiedelten und gehörte zu den Gründern der Israelitischen Vereinigung am 1.04.1884 (später Israelitischen Religionsgemeinde). Er war ihr erster Vorsteher.
*Nach dem Erlass des Freizügigkeitsgesetzes für Sachsen im Jahr 1867, ließen sich mit der Aufhebung der Wohnsitzbeschränkungen auch in Plauen wieder Juden nieder. Nach Inkrafttreten des Gesetzes vom 1. Dezember 1870, das die Bildung von jüdischen Religionsgemeinschaften erlaubte, schlossen sich fünfzehn Familien 1884 zur Israelitischen Religionsgemeinde Plauen zusammen, die 1899 den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhielt. In den Vorstand wurden Julius Mainzer, Meyer Hammel und Moritz Meseritz gewählt. Die Gottesdienste fanden zunächst in Wohnungen, später in angemieteten Räumen statt.
Quelle: https://www.plauen.de/Verwaltung-und-Stadtrat/Stadtinformationen/Stadtgeschichte/Jüdische-Geschichte/

Logo Israelitische Religionsgemeinde Plauen i. V.
Bildquelle: Vogtlandbibliothek
Julius Mainzer galt als angesehener Kaufmann und war bis 1887 Teilhaber der Firma Hanauer Kaufmann & Co. in der Windmühlenstraße 10.
Ab 1888 war er selbst Inhaber des Mainzer Weißwaren-Commissions-Geschäftes, das er 1894 für kurze Zeit in die Kaiserstraße 73 verlagerte und ab September 1895 in der Bärenstraße 4 als Weißwaren-Komm.- und Exportgeschäft weiterführte. Er war Besitzer des Hauses Bärenstraße 4.
Adressbucheintrag 1906/1907 - mit Eugen und Max Mainzer, den Neffen Julius Mainzers (s.u.)
Quelle: Plauener Adressbuch

Adressbucheintrag 1936- die Bärenstraße wurde bereits umbenannt nach dem Nazifunktionärs Martin Mutschmann, der 1907 selbst eine Spitzenfabrik in Plauen gegründet hatte
Quelle: Plauener Adressbuch
Anmerkung zu Martin Mutschmann
1907 gründete er einen eigenen kleinen Spitzenbetrieb, beteiligte sich an weiteren regionalen Unternehmen und war sehr erfolgreich. Durch eine Absatzkrise 1912/13 gingen viele sächsische Firmen bankrott, Mutschmanns Plauener Betrieb überlebte. Als sogenannte „Sündenböcke“ der wirtschaftlichen Krise dieser Branche wurden zumeist aus Osteuropa stammende Juden ausgemacht, die ebenfalls Unternehmen in der Spitzenindustrie gegründet hatten. Alteingesessene Unternehmer forderten gemeinsam mit Vertretern konservativer Parteien und Verbände, wie dem „Alldeutschen Verband“, scharfe Maßnahmen gegen die jüdischen Unternehmer.
Martin Mutschmann beteiligte sich Anfang August 1914 an Bedrohungen und Gewalttätigkeiten gegen Geschäftsinhaber jüdischen Glaubens in Plauen. Für die von ihm begangenen Straftaten wurde er damals jedoch nicht zur Verantwortung gezogen, da er am 4. August 1914 zum Militärdienst eingezogen wurde. Im Dezember 1916 kehrte er nach einer Verwundung als kriegsuntauglich nach Plauen zurück.
Seit 1919 engagierte sich Mutschmann im „Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutz-Bund“, und bereits 1922 in der zwei Jahre zuvor gegründeten NSDAP. Sein Antisemitismus verband sich nun mit Antimarxismus. Er hasste Menschen wie Georg Gradnauer, den aus dem jüdischen Bürgertum stammenden sächsischen Ministerpräsidenten und Max Hoelz, einen Vogtländer Kommunisten. Er befürchtete, dass Marxismus und Judentum gemeinsam den Untergang Deutschlands herbeiführen könnten. In der NSDAP machte Mutschmann Karriere und aus Plauen in wenigen Jahren eine braune Hochburg. 1925 erfolgte seine Berufung zum sächsischen Gauleiter der NSDAP. Als Fabrikant unterstützte er die Partei finanziell.
In der Weltwirtschaftskrise 1929/30 verschärfte sich Mutschmanns Antisemitismus. Für den 1930 erfolgten Zusammenbruch seiner Firma und die so entstandene eigene wirtschaftlich prekäre Situation machte er wiederum Jüdinnen und Juden verantwortlich. In programmatischer Hinsicht strebte er eine rassisch begründete und von der nationalsozialistischen Partei geführte Volksgemeinschaft an, in der bisherige politische Lagerbildungen und Milieus sowie soziale Konflikte eingeebnet werden sollten.
Quelle: https://gedenkplaetze.info/gesellschaft-im-nationalsozialismus/die-mutschmann-villa-wohnort-des-saechsischen-gauleiters-martin-mutschmann

Die Villa in der Bärenstraße 4
Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d0/Plauen%2C_B%C3%A4renstra%C3%9Fe_04.JPG
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Bauzeichnungen der Villa
Bildquelle: Fotoquelle: Plauener Stadtvillen, Andreas Stephan, 2025
Julius war verheiratet mit Therese, geb. Bensinger. Das Ehepaar hatte zwei Kinder. Sohn Max Paul Mainzer wurde 1880, Tochter Elsa Therese 1882 in Plauen geboren.

Todesanzeige Therese Mainzers (VAT v. 3.12.1916)
Paul Mainzer heiratete 1916 Johanna Elise Susanne Bertram, eine nicht-jüdische Fabrikantentochter aus Chemnitz. Die Ehe wurde jedoch 1921 geschieden. Das Ehepaar hatte zwei Töchter- Susanna Ingeburg (geb.1917) und Helga (geb. 1919). Nach der Scheidung blieben beide Töchter beim Vater. Die Mutter zog nach Dresden.
Ingeburg verstarb bereits im Alter von sieben Jahren und wurde in der Grabstätte der Großeltern beigesetzt.
Nach dem Tod Julius Mainzers führte Paul Mainzer die Firma „Commission, Export, Import J. Mainzer“ zusammen mit seiner Schwester Elsa und nach deren Wegzug 1908 allein weiter. Die Firma muss wohl erfolgreich gewesen sein, denn er reiste zum Beispiel im Dezember 1911 nach New York. Der Erste Weltkrieg und die wirtschaftliche Krise der Nachkriegsjahre waren jedoch seinem Unternehmen nicht förderlich.
Hinzu kamen nach der Machtergreifung 1933 die Schikanen und Einschränkungen durch die Nationalsozialisten. Bereits 1910 hatte Paul Mainzer seinen Glauben abgelegt, was ihn aber nicht vor Verfolgung und Diskriminierung bewahrte. Am 11.05.1937 wurde die Firma „arisiert“ und 1937 verlor er seine letzte Anstellung als Handelsvertreter.
Er ersuchte bei der Schweizer Gesandtschaft in Berlin und dem Konsulat in Dresden um Unterstützung und Wiedererlangung seiner Konzession bzw. seiner Legitimationskarte, welche ihm unter dem Vorwand politischer Unzuverlässigkeit entzogen wurde- erfolglos.
1939 wurde die Villa und das Grundstück Bärenstraße 4 zwangsversteigert.
Ende Mai 1941 wurde Paul Mainzer mit vierwöchiger Frist aus Deutschland ausgewiesen und ist am 29.06.1941 in die Schweiz eingereist. In Plauen war sein verbliebener Besitz bei der Spedition Kupfer untergestellt. Durch den Krieg ging vieles verloren, so dass ihm nach Kriegsende zwei Kisten verblieben waren.
Aus dem Schweizer Bundesarchiv stammt die komplette, sehr umfangreiche Akte des „Rückwanderers“ Paul Mainzer, aus welcher hervorgeht, dass er nach Ausweisung aus Deutschland in der Schweiz um die Wiedergutmachung von Entrechtungsschäden durch den Verlust seiner wirtschaftlichen Existenz und seines Eigentums kämpfte. Er beauftragte einen Anwalt in Plauen, das Verbliebene zu sichten und seine Ansprüche geltend zu machen. Es waren jedoch keine Geschäftsunterlagen mehr vorhanden und so gelang es ihm in nur sehr bescheidenem Maße, Ansprüche durchzusetzen. Wahrscheinlich kehrte er nie wieder nach Plauen zurück.
Vater Julius und Sohn Paul hatten die Schweizer Staatsbürgerschaft. Als Heimatort wird in allen Unterlagen Bibern im Kanton Schaffhausen angegeben. Man kann davon ausgehen, dass beide bereits in jüngeren Jahren in der Schweiz waren.
Pauls Tochter Helga wurde 1936 von Vater Paul zu einer befreundeten Familie geschickt, lebte dann in der Schweiz, während des Kriegs in Rumänien und Ungarn. Sie starb im Alter von 40 Jahren durch einen Verkehrsunfall.
Pauls Schwester Elsa zog 1908 aus Plauen weg. Sie heiratete 1916 in Berlin Kurt Herrmann Sebald. Beide wohnten in München. Die Ehe wurde- vermutlich aus Gründen der Rassegesetze- 1938 geschieden.
Elsa emigrierte 1939 nach England uns nahm sich dort das Leben. Ihre Wohnungseinrichtung wurde enteignet und versteigert. Ihr geschiedener Mann brachte sich und den gemeinsamen Sohn Armin aus Verzweiflung 1941 in Bratislava um.
Mit dem Tod Paul Mainzers 1963 ist der letzte direkte Nachfahre von Julius Mainzer verstorben. Nachforschungen führten wiederum zu anderen Teilen der großen und weit verzweigten Familie Mainzer, Nachfahren des Rabbi Maier Aaron.
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Der Neffe Julius Mainzers, Max Mainzer, Sohn von Berthold Mainzer, gründete ebenfalls vor 1900 eine Firma in Plauen. Mit seiner Frau Pauline hatte er drei Kinder- Ernst, Gerhard und Eva). Die Familie verließ Plauen und Nazi-Deutschland rechtzeitig und emigrierte. Später lebten sie in England, Australien und den USA.
Zwei weitere Söhne Berthold Mainzers- Eugen und Hermann- waren zunächst in St. Gallen und versuchten auch in Plauen ihr Glück. Eugen lebte 1906/1907 in Plauen, Hermann 1909/1910. Sicher waren sie für die Firmen von Cousin und/oder Bruder tätig. Hermann lebte später in München und wurde ein bekannter Komponist. Sein Name steht im „Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit“. Als Beruf wird neben Komponist auch Händler angegeben. Er war nach der Progromnacht 1938 im KZ Dachau interniert, wurde von dort deportiert und 1941 in Kaunas (Litauen) ermordet.
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In der Grabstätte beigesetzt wurden:
Julius (Josua) Mainzer (1850 in Weikersheim bei Mergentheim in Württemberg-7.12.1906 in Plauen)
Sein Leichnam wurde zur Einäscherung nach Jena überführt. (VAZ v. 8.+9.12.1906)
Die Einsenkung der Urne erfolgte am 20.07.1907 im Erbbegräbnis Nr. 24.
Therese Mainzer, geb. Bensinger (?-30.11.1916 in der Heilanstalt zu Kenneburg)
Sie verstarb im Alter von 60 Jahren und war noch wohnhaft in der Bärenstr. 4. Die Einäscherung erfolgte am 4.12.1916 im Krematorium zu Esslingen in Württemberg (VAZ v. 2.12.1916)
Die Urne wurde am 4.05.1917 eingesenkt.
Susanne Ingeburg Mainzer (17.05.1917 in Plauen-14.07.1924 in Plauen)
Sie war die Tochter von Paul und Johanna Mainzer, spätere Brünjes.
Als Staatsangehörigkeit wurde Schweiz vermerkt.
Die Einäscherung erfolgte in Plauen am 17.07.1921, die Beisetzung am 18.07.1924.
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Quellen:
Friedhof I, 2025