
Foto: Friedhof I, 2025
Kurzbeschreibung der Grabstätte:
Findling aus Löbejüner Quarzporphyr 270 cm hoch, 180 cm breit, 60 cm dick (entspricht einem Volumen 2,9 cbm= 7259 Kg Gewicht) mit Schrifttafel aus Bronze
Vorkommen: Löbejün ca. 10 Km von Halle/Saale
Personengeschichtliche Bedeutung:
Kommerzienrat Leonardo Maria Erich Roessing wurde am 4. Juli 1852 in Wolfenbüttel geboren und kam in jungen Jahren ins Vogtland und war für verschiedene große Firmen als Reisender tätig, darunter auch für die Firma Fedor Schnorr.
Am 1. Juli 1880 trat Erich Roessing zusammen mit Kaufmann Hermann Schrage in die Selbstständigkeit. Gemeinsam führten sie Ecke Fürsten- und Bahnhofstraße im sogenannten Hornschen Haus ein Konfektionsgeschäft vorwiegend für Babyartikel, Kinderkleider und Damenschürzen.
Ab 1883 betrieben Schrage & Roessing eine Mechanische Stickerei und Konfektionsfabrik in der damaligen Theaterstraße 3. Der Besitzer und Bankier Max Eugen Valentin Löbering ließ 1882 sein stillgelegtes Theater zum Stickereigebäude umbauen.
Schrage & Roessing mieteten die Räumlichkeiten und waren demzufolge die ersten Nutzer.
Im Buch "Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild", zweiter Teil von 1893, wird das Unternehmen näher vorgestellt. Darin heißt es u. a.: ...den Herren Friedrich Hermann Schrage und Erich Roessing gelang es, trotz der nicht bedeutenden Mittel, die ihnen anfangs zu Gebote standen, durch Hinzuziehung und Ausbildung tüchtiger Arbeitskräfte, den neuen Industriezweig der Pariser und Berliner Konkurrenz zuerst in Deutschland, später im Ausland ebenbürtig zu machen." Man exportierte die produzierten Waren nach England, Holland und Amerika. Die kleinen niedlichen Babysachen und Kinderkleider wurden gern gekauft und waren allgemein beliebt.

Abbildung Schrage & Roessing eine Mechanische Stickerei und Konfektionsfabrik
Quelle: Die Groß-Industrie des Königreich Sachsens in Wort und Bild, Zweiter Teil, 1893
Anfang der 1890er Jahre wurde das Geschäft um eine Spitzenabteilung erweitert. In dieser Zeit starb Friedrich Hermann Schrage und Erich Roessing führte als Alleininhaber die Firma unter unverändertem Namen mit hoher Umsicht und Fachkenntnis weiter.
Anerkennung verdient eine für sein Arbeitspersonal geschaffene Kureinrichtung in Bad Elster, in der vor allem ältere, bewährte Arbeiterinnen in den Sommermonaten Erholung finden konnten.
Ab 1896/97 weisen die Adressbücher Roessings Unternehmen in der Schloßstraße 19 (Umbenennung der Hausnummer 19 im Jahre 1912/13 in 7/9) aus. In den Gebäudekomplex Theaterstraße 3 zog 1895 die Bleicherei, Färberei und Appretur-Anstalt Dischreit ein und wird später auch dort Besitzer.
Die Gründe, warum Schrage & Roessing in die Schloßstraße wechselte, sind nicht bekannt.
Erich Roessing gehörte zu den Mitgründern des am 26. Februar 1890 ins Leben gerufenen Theatervereins.
Am 26. Mai 1893 wählte man ihn zum Mitglied in die Handelskammer Plauen, deren Stellvertreter er am 04. April 1903 wurde. Am 17. Januar 1910 übertrug man ihm das Amt des 1. Vorsitzenden. Er war damit Handelskammer-Präsident.
Er war im Eisenbahnrat tätig, bekleidete mehrere Ehrenämter und Aufsichtsratsstellen.
Roessing erhielt mehrere Auszeichnungen. Der König ernannte ihn zum Königlich sächsischen Kommerzienrat. Ihm wurde das Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechtsordens verliehen. Ausländische Monarchen ehrten ihn.
Er starb am 02. Juli 1913 an Herzversagen. Er hinterließ die Ehefrau, zwei Töchter und zwei Söhne.
Er genoss in Plauen hohes Ansehen. Das beweisen die zwölf Beileidsbekundungen sowie der Nachruf im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt.

VAT v. 4.07.1913

VAT v. 4.07.1913
Verheiratet war er mit Frau Ida geb. Gutmacher. Sie starb am 11. 12. 1919 im Sanatorium Lindenhof in Coswig nach langem schweren Leiden. Die Trauerfeier fand am 18. Dezember 1919 auf Friedhof II statt.
Günther-Joachim Roessing, geb. 08.04.1895, starb am 01. März 1926 in Torgau nach langem schweren Leiden.
Oberst Friedrich Wilhelm Hänichen starb am 24.12.1938 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren in Leipzig. Er war Gruppenleiter bei der Wehrersatzinspektion in Leipzig. Die Trauerfeier fand am 27.12.1938 in der Kapelle des St. Georg-Krankenhauses in Leipzig statt. Am 28.12.1938 wurde er nach Plauen überführt und auf Friedhof II beigesetzt.
Seine Ehefrau Erika geb. Roessing war eine Tochter von Erich Roessing.
Nach Ende des ersten Weltkrieges erhielten die Witwe Ida Roessing sowie Erika Hänichen geb. Roessing vom Stadtrat in Übereinstimmung mit dem Verwaltungsrat des Freiwilligen Wohlfahrtsausschusses Ehrenmedaillen und Ehrenurkunden für die Betätigung in der Kriegswohlfahrtspflege.
Quellen:
Nachruf Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt Plauen, 3. Juli 1913.
Bauakte Baupolizei-Akte des Stadtrats zu Plauen, Vol. I, Böhlerstraße 53/55, Seite 24,
Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild, zweiter Teil 1893,
Nachruf sowie Todesanzeigen Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt Plauen,
Adressbücher der Stadt Plauen
Kramer, Gerd, Aus der älteren Vergangenheit einer 150-jährigen Handelskammertradition in Plauen im Vogtland, 18. Jahresschrift des Vereins für vogtl. Geschichte, Volks- und Landeskunde, 2012
Plauen im Weltkrieg 1914 bis 1918, Druck und Verlag Moritz Wieprecht GmbH, Plauen, 1924
Die Tätigkeit des Freiwilligen Wohlfahrtsausschusses der Stadt Plauen von 1914 - 1918
Brigitte Kunze, 2018