Grabstätte Louis Alfred Clauß

Kurzbeschreibung des Grabmals:

 Der Mühlstein lässt ahnen, dass es sich hier um das Grabmal eines Mühlenbesitzers handeln muss.

 Mühlstein aus frittiertem Sandstein, die Inschrifttafel besteht aus sog. Schwarzem Schweden.

 

Das Grab wurde personengeschichtlich sowie als Werk der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks unter Denkmalschutz gestellt.

 

Personengeschichtliche Bedeutung:

 

Louis Alfred Clauß war der letzte Pächter der Unteren Stadtmühle. Man nannte sie auch Kreuzermühle. Sie stand an der Stadtseite der Elsterbrücke aufwärts des Mühlgrabens und wurde 1939 abgetragen.

 

Louis Alfred Clauß stammte aus einer alteingesessenen Müllerfamilie. Er wurde am 16.10.1879 in Schloßchemnitz, einem heutigen Stadtteil von Chemnitz, geboren. Sein Vater Ludwig Hermann war Müllermeister und erwarb 1894 in Mülsen St. Niclas eine Mühle.

Alfred Clauß ging als Müllerbursche auf Wanderschaft. 1913 siedelte er mit seiner Familie nach Plauen über. Dort übernahm er die Mühle vom früheren Mühlenpächter und Mehlhändler Heinrich Schlott.

Clauß war Mitbegründer der 1933 ins Leben gerufenen Müller-Innung, die die Müller der Amtshauptmannschaften Plauen, Oelsnitz und Auerbach vereinigte. Ihnen widmete er seine umfassenden Berufs- und Fachkenntnisse.

 

Verheiratet war er mit Ella Franziska geb. Räder. Die Ehe wurde 1906 in Mosel geschlossen.

Nach dem Tod von Alfred Clauß am 20.07.1936 bewirtschaftete die Witwe bis zum Abbruch die Mühle.

 

Quellen: VAT Nr. 178, S. 8 v. 1.8.1936 und VAT Nr. 181 S. 3 v. 5.8.1936

 

Auszug aus "Ein Gang durch Alt-Plauen", Seite 44 - 46, Heft 60 Vogtlandmuseum Plauen

"An der Stadtseite der Alten Elsterbrücke stand aufwärts des Mühlgrabens, so wie es die Abb. 38 zeigt, die untere Stadtmühle, die 1939? abgetragen wurde. Von ihr sind noch Teile des Grundmauerwerks und der Treppenabstieg zu einem alten Gang, der ehemals unter der Mühle hin auf den Landstreifen zwischen Mühlgraben und Elster führte, zu sehen. Dieser Gang, zu dessen Überwachung der Müller von Amtswegen verpflichtet war, wurde gern von Bürgern benutzt, die den Torschluß versäumt hatten oder die Akzise umgehen wollten und dabei den Weg durch die bisweilen seichte Elster oberhalb der Brücke nicht scheuten.

 

Die untere Mühle war mindestens so alt wie die Johanniskirche. In der Urkunde von 1122 wies der Graf von Eberstein der Kirche den halben Nutzen seiner an der Elster erbauten Mühle zu. 1224 erhielt das Deutsche Haus mit der Kirche das Recht der geteilten Nutzung. 1244 übergab Vogt Heinrich I. den Deutschherren seinen Rechtsanteil an der Mühle, die als zwischen dem Hof dieser Brüder und der Brücke gelegen bezeichnet wird, zu ewigem Eigentum. Damit war der Orden nunmehr alleiniger Besitzer. Die Angaben aller drei Urkunden beziehen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die untere Mühle. Im Amtsrechnungsbuch von 1438/39 erscheint die Mühle im Besitz der Landesherrschaft. Die Erklärung dafür bringt das Amtserbbuch aus der Zeit von etwa 1520. Das Deutsche Haus hatte sie nach Aussage des Komturs an die Landesherrschaft gegen Befreiung von bestimmten Heeresleistungen abgetreten. Von da an war ihr Schicksal mit dem der oberen Mühle verbunden." (siehe dazu denkmalgeschützte Grabstätte Nr. 12)

 

Bei der unteren Mühle spricht man auch von der "Vorderen Mühle". "Das war bezeichnend für das Empfinden des Plauener Bürgers, der die Frontseite seiner Stadt nach der Brücke gerichtet sah. So orientierten sich auch sämtliche alte Stadtansichten vordergründig auf diese Seite. Der Name Kreuzermühle (verschiedentlich Kreuzmühle) ist auf die Angehörigen des Deutschen Ordens zurückzuführen, die nach dem schwarzen Kreuz auf ihren weißen Mäntel auch Kreuzherren genannt wurden."

 

 Wissenswertes über die Mühlenbäckerei Clauß in Mülsen St. Niclas

 

Interessant ist, dass die Mühle in Mülsen St. Niclas von Generation zu Generation weitergeführt und bis 1978 in Betrieb war.

 

Im Jahr 1894 übernahm der Müller Ludwig Hermann Clauß die Mühle und versorgte die umliegenden Bäckereien und Mülsener Bevölkerung mit Mehl. Aufgrund steigender Nachfrage nach Backwaren gründete er selbst eine Bäckerei. Der Verkauf begann in dieser Zeit im Hausflur der Mühle.

 

Heute ist die Mühlenbäckerei Clauß GmbH ein modernes, mittelständiges und familiengeführtes Traditionsunternehmen im Herzen von Sachsen. Siehe dazu auch im Internet

 http://www.muehlenbaeckerei-clauss.de/unternehmen/ueber-uns/

 

13.01.2018, ergänzt am 02.03.2018

Brigitte Kunze

 

 

 Quelle: Ein Gang durch Alt-Plauen

 

Quelle: Plauen in alten Ansichten von Frank Weiß, 1993