Familiengrabstätte Familie Hartwig/Fleischer

 

Foto: Friedhof I

Kurzbeschreibung des Grabmals:

Die Grabstätte ist eine Fertigung des Steinmetzunternehmens C. Thust, Gnadenfrei, Schlesien und steht als Werk der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks unter Denkmalschutz.

Personengeschichtliche Bedeutung:

Die Familie Fleischer stammte aus Kellinghusen in Holstein.  Jacob Fleischer erwarb lt. Bürgerbuch auf hiesiger Flur ein Grundstück und erlangte am 6. Juni 1862 das Bürgerrecht. Der Kaufmann Friedrich Martin Fleischer erhielt am 7. Juni 1862 das Bürgerrecht zugesprochen.

Gemäß Eintrag im Handelsregister unter der Nr. 186 gründete Friedrich Martin Fleischer zusammen mit Ernst Ferdinand Pessler am 09.10.1863 die erste mechanische Weberei für glatte baumwollene Waren in Plauen, Am Mühlgraben 11. Jacob Fleischer ist Besitzer des Grundstücks. Lt. Sterbebucheintrag 1874/753. starb der Gründer Friedrich Martin Fleischer am 12.12.1874 im Alter von 53 Jahren und Jacob Fleischer (1812-1895) übernahm das Unternehmen. Ernst Ferdinand Pessler schied 1877 aus. Jacob Fleischer wird offiziell als Grundstücks- und Firmeneigentümer geführt, setzte aber den Prokurist Moritz Schulze ein. Jacob Fleischer starb lt. Sterbeurkunde 376/1895 am 20.04.1895, 81-jährig, wohnhaft in Plauen, Bahnhofstr. 33, ledigen Standes. Die Namen der Eltern sind unbekannt.

Ab Adressbuch 1881 wird Johannes Christian Fleischer als Commis, wohnhaft in der Herrenstraße 4, geführt und 1886 als Kaufmann, Am Mühlgraben 11. Er heiratete am 27.04.1886 die in Langenbielau/Schlesien, geborene Frau Auguste Margarethe Ottilie Helene geb. Wolff. Aus den Taufeinträgen der nach 1886 geborenen Kinder ist das vorgenannte Traudatum und die Herkunft der Ehefrau zu erkennen.

Am 23.04.1904 starb Johannes Fleischer, 44-jährig. Der Kaufmann Eduard Theodor Sauer, Prokurist der Mechanischen Weberei, meldete den Tod im Standesamt Plauen. Aus den Einträgen der Sterbeurkunde geht hervor, dass der Kaufmann und Fabrikbesitzer Johannes Christian Fleischer in Mühlenbarbeck bei Kellinghusen geboren und Sohn des Landwirts Christian Fleischer und dessen Ehefrau Cäcilie, geborene Mehner, beide in Mühlenbarbeck verstorben, war. Laut Inschrifttafel der Grabstätte wurde Johannes Christian Fleischer am 24.12.1859 geboren.

Er hinterließ die Ehefrau sowie die Töchter

Berta Helene Katharina Cäcilie, geb. am 05.06.1888, heiratete am 26.02.1910 den Preußischen Forstassessor Hans Eberhard Willy Karsch, geb. 28.05.1877 in Reichenbach/Schlesien, Sohn eines Spediteurs.

Anna Elsabe, geb. am 14.12.1889, heiratete am 24.05.1909 Leutnant Franz Gustav Max Hartwig, geb. 02.09.1878 in Konitz, Sohn des Landgerichtsdirektors Dr. Otto Hartwig und dessen Ehefrau Anna geb. Gollnick in Danzig.

Elsabe starb lt. Inschrifttafel Familiengrab am 06.11.1978 in Berchtesgaden.

Auf der Eheschließungsurkunde Nr.355/1909 wurde nachträglich die Geburt der Tochter Franziska Hartwig, geb. 28.01.1916 eingetragen.

Franz Gustav Max Hartwig diente im 10. Kgl. Sächs. Infanterie-Regiment Nr. 134 und fiel als Hauptmann der 11. Kompagnie am 10.10.1915 bei Givenchy en Gohelle. Es war ihm nicht vergönnt, seine Tochter kennenzulernen.

Margarethe Helene, als dritte Tochter wurde am 09.06.1892 geboren und heiratete am 06.07.1911 den Oberleutnant im Grenadierregiment Nr. 3 Paul Eduard Theodor Hartwig, geb. 15.06.1877 zu Berlin, Sohn des Landgerichtsdirektors Dr. Otto Hartwig in Danzig.

Paul Eduard Theodor Hartwig starb am 14. Januar 1966 in Plauen.

Margarethe Helene Hartwig starb am 31. Januar 1978 in Plauen.

Die beiden Söhne von Johannes Christian Fleischer starben im Säuglingsalter.

Das Unternehmen wurde vermutlich 1906/1907 in eine GmbH umgewandelt. Man nannte sich nun Mechanische Weberei J. Fleischer GmbH, Mühlgraben 11. Die Hausnummer wurde später auf „5“ abgeändert.

Ein weiteres Werk existierte in der vogtländischen Nachbarstadt Treuen, Hartmannsgrüner Straße 3. Dort ließ das Unternehmen auch Werkswohnungen errichten.

Im letzten für Plauen herausgegebenem Adressbuch 1950 werden beide Töchter Helene Margarethe und Elsabe als Geschäftsführerinnen geführt.

Quellen: Kirchenbücher St. Johannis

Historische Adressbücher von Plauen und Treuen

Personenstandsdaten vom Stadtarchiv Plauen

 

 

Quelle: Deutschlands Städtebau Plauen i. Vogtl. DARI Dt. Architektur- und Industrie-Verlag Berlin Halensee 1926

 

(C) Brigitte Kunze

Plauen 2020