Familiengrabstätte Robert Paul Zöbisch 

Kurzbeschreibung des Grabmals:

Architekturgrab geschaffen von Hermann Volz, Karlsruhe, ein Ende des 18. und Anfang 19. Jahrhundert bekannter Bildhauer;

Gestein: deutscher Travertin von Langensalza, Figur aus blauem Muschelkalk aus Kirchheim bei Würzburg, ein Werk der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks

2007 aufwendig durch die Firma Grabstein-Schneider restauriert

 

Personengeschichtliche Bedeutung:

Die Nutzungsrechte für die Erbbegräbnisstätte erwarb Robert Paul Zöbisch nach dem Tod seiner Ehefrau Marie Adele geborene Merkel am 17. Juli 1917. Marie Adele, am 03. Mai 1866 geboren, war die Tochter von Rudolph Albert Merkel. Er war Gasinspektor und später Direktor der Plauener Gasanstalt in der Hammerstraße. Nach ihm wurde die Merkelstraße, zwischen Hammer- und Auenstraße gelegen, benannt.

 

Robert Paul Zöbisch, geboren am 15. Januar 1861, leitete zusammen mit seinen drei Brüdern Richard, Alfred und Enno die vom Vater Heinrich Robert bereits 1855 in Plauen gegründete Firma, eine Chemische Bleicherei, Färberei und Appretur-Anstalt Am Mühlgraben 12. Bis ins hohe Alter für das Unternehmen tätig, widmete Paul seine Kraft aber auch der Allgemeinheit. Er wurde 1907 in das Stadtverordnetenkollegium gewählt, von 1912 bis 1919 bekleidete er das Amt des stellvertretenden Vorstehers, danach ehrenamtlich bis Ende 1921. Robert Paul wohnte zuletzt in der Straßberger Straße 69. Er starb am 18. Juli 1941 und hinterließ einen Sohn Ing. Carl Robert Rudolf sowie die Tochter Adele Katharina, Ehefrau des am 09.07.1926 verstorbenen Kaufmanns und Fabrikbesitzers Friedrich Franz Heinrich Nieland.

 

Quelle: Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt, Nr. 168 v. 21. Juli 1941.

 

 

  Quelle: Plauener Adreßbuch, 1927

 

Näheres zum Architekturgrab

Leider existieren von den unter Denkmalschutz stehenden Gräbern auf den Plauener Friedhöfen nur noch wenige Zeichnungen oder Entwürfe, die Hinweise zum Steinmetz oder Bildhauer geben können. Ein Friedhofsausschuss genehmigte die Gestaltung der Grabsteine bzw. Familiengrabstätten. Um so glücklicher können wir uns schätzen, dass von diesem Architekturgrab ein Aufriss, genehmigt am 7. Mai 1918, erhalten blieb. Die Ausführung wurde am 28.4.1918 in Karlsruhe von Prof. Dr. H.Volz übernommen und Robert Paul Zöbisch bestätigte mit seiner Unterschrift diesen Auftrag. Die Kosten betrugen 15.400 Mark.

In unserer heutigen modernen Computerwelt bleibt es natürlich nicht aus, dass man versucht, weitere Informationen einzuholen und weiter forscht. Prof. Dr. Hermann Volz lebte von 1847 - 1941. Sein Schaffen von Denk- und Grabmalen, Brunnen und Porträts ließ ihn zu einem der bekanntesten badischen Bildhauer des 19. und 20. Jahrhunderts werden.

 

https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-0490

 

Vorgestellt wird das Grab der Familie Zöbisch in einem Buch von Jos. Aug. Beringer "Hermann Volz - Sein Leben und Schaffen". Man erwähnt die Jahreszahl 1923 und ist erstaunt, dass sich die Fertigung vom Entwurf bis zur Vollendung so lange hinzog.

 

 

 

Quelle: Jos. Aug. Beringer "Hermann Volz - Sein Leben und Schaffen", Seite 44 - 45

 

Foto: Hermann Volz, Karlsruhe,(siehe gesondertes Foto, Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe)

 

Firmengeschichte

Heinrich Robert Zöbisch wurde am 22. Februar 1824 in Lengenfeld im Vogtland geboren. Im Jahr 1845, im Alter von 21 Jahren, gründete er unter bescheidenen Verhältnissen in seiner Heimatstadt mit ersparten 90 Thalern eine Spannerei. Er beschäftigte drei Arbeiterinnen.  Eine Feuersbrunst zerstörte die Fabrik, in der sich die gemieteten Räumlichkeiten befanden. Er entschied 1855 in Plauen die kleine Heynigsche Appretur-Anstalt Am Mühlgraben F 112 zu kaufen. In erweitertem Maße wurde nun eine Bleicherei und Appretur baumwollener Weißwaren betrieben.

Im Besitz eines nur Robert Zöbisch bekannten vorzüglichen Apprets [besondere Ausrüstung] für Mull, erwarb er sich einen großen Kundenkreis und konnte 1862 sein Fabrikgebäude erweitern. 1872 zwang es die Notwendigkeit eine große gesonderte Einrichtung, eine neue große Fabrik, zu bauen. 1884 entschloss er sich eine rotierende chemische Bleicherei und Appretur-Anstalt nach englischem System verbunden mit einer Färberei baumwollener Waren seinem bisherigen Fabrikgebäude hinzuzufügen. Somit entstand eine der größten Firmen ihrer Branche in Sachsen. Er beschäftigte 70 männliche und 220 weibliche Arbeiter.

Er vergaß nicht, für seine Arbeiter zu sorgen und richtete eine Fabrikkrankenkasse mit einem Stammvermögen in Höhe von 2000 Mark ein.

Seine vier in Plauen geborenen Söhne standen ihm zur Seite.

 

Quelle: Die Großindustrie Sachsens 1892

 

Der Seniorchef Heinrich Robert starb am 02. Juli 1896 in der Straßberger Straße 69.

 

 

Quelle: Die Großindustrie Sachsens 1892

 

Die Familie

 

Heinrich Robert Zöbisch

heiratete in Lengenfeld Friederike Emilie Lenk. In Lengenfeld kamen die beiden Töchter Alma und Julie Zöbisch zur Welt. Wie schon erwähnt, in Plauen wurden vier Söhne geboren. Die erste Ehefrau Friederike Emilie starb am 07. Mai 1869 nach der Geburt von Sohn Enno.

Heinrich Robert ehelichte 1870 seine zweite Frau Ernestine Wilhelmine Luise Hentschel. Die am 09. Mai 1871 geborene Tochter Caroline Emilie heiratete am 21. Februar 1891 Leopold Oscar Hartenstein (siehe Übersichtsplan Friedhof I Denkmalgrab Nr. 19).

 

Alma Zöbisch

am 24. Januar 1851 in Lengenfeld geboren, heiratete am 06. Juni 1870 Georg Richard Schmidt Sie gebar sieben Kinder. Näheres zur Familie siehe Übersichtsplan Friedhof I Denkmalgrab 18.

 

Julie Zöbisch

am 02. April 1855 in Lengenfeld geboren, heiratete sie am 07. Februar 1875 den Kaufmann Max Eichler aus Lengenfeld. Bereits 1888 starb er in der Heilanstalt Colditz. Von den vier geborenen Kindern erreichten Robert Felix und Albertina Louise Paula das Erwachsenenalter. Aus einem Stammbaum der Familie Zöbisch geht hervor, dass Robert Felix Eichler Olga Richter ehelichte. Näheres über diese Familie konnte nicht ermittelt werden. Albertina Louise Paula lebte mit ihrer Familie in Plauen. Der Ehemann, Oberstleutnant Otto v. Lachner, geboren in Emmerich am Rhein, starb am 19. November 1922 an den Folgen einer Kriegsverletzung.

 

Quellen: Taufregister Lengenfeld, Stadtarchiv Plauen, TA VAT 21.11.1922  

 

Richard Zöbisch

wurde am 09. April 1857 geboren und heiratete am 29. Mai 1882 Clara Helene geb. Groh. Von den sechs zur Welt gebrachten Kindern starben zwei Söhne nach der Geburt, zwei weitere Söhne Richard Robert August Erich im Alter von 2 Jahren an Diphterie und Richard Herbert 25-jährig an einer Grippe. Richard Zöbisch starb am 08. Mai 1930. Seine Grabstätte befindet sich ..?....

Er hinterließ die Ehefrau, und die beiden Töchter Helene Hedwig Louise und Ida Julie Gertrud mit ihren damaligen Ehepartnern.

Aus einem Nachruf, im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt abgedruckt, erfährt man, dass Richard Zöbisch bereits 1875 in das väterliche Unternehmen eintrat. 1891 übernahm er mit seinen Brüdern die Firma. Auch 1922 leitete er nach dem Tod seines Bruders Alfred, die in eine GmbH umgewandelte Firma. Er wirkte viele Jahre als Stadtverordneter und war Vertrauensmann der Textilberufsgenossenschaft. 1907 gründeten das Ehepaar Zöbisch anlässlich ihrer Silberhochzeit die Richard-Helene-Zöbisch-Stiftung. Die Familie wohnte in der Villa Straßberger Straße 107.

 

Quellen: VAT 09. Mai 1030, 10. Mai 1930, Zweites Blatt, Kirchenbucheinträge

 

Robert Alfred

erblickte am 28. August 1865 in Plauen das Licht der Welt. Er starb am 04. November 1921.

Die Erbbegräbnisstätte befindet sich in unmittelbarer Nähe und wird gesondert vorgestellt (siehe Übersichtsplan Friedhof I Denkmalgrab Nr. 44). 

 

Robert Enno

wurde am 30. April 1869 geboren. Die Mutter Friederike Emilie Lenk starb nach der Geburt. Er heiratete am 01.10.1892 Elisabeth geborene Listner. Aus der Ehe gingen drei Kinder   hervor.