Grabstätte Wilhelm Traugott Vogel

Beschreibung des Grabmals:

 

1874 angelegt gehört die Grabstätte der Familie Vogel zu den ältesten Gräbern auf Friedhof I.

Das  im klassizistischen Stil ausgeführte Mittelteil ziert im oberen Bereich Christus mit dem Dornenkranz. Das kreisrunde Format unterstreicht die Würde und Distanziertheit des Dargestellten. In großen Lettern wird auf die Grabstätte der Familie Vogel hingewiesen. Reliefartig gestaltete Palmblätter, die mit einem Schleifenband zusammengehalten werden, bilden den Abschluss.

 

Die beiden Inschrifttafeln mit den Daten von Wilhelm Traugott Vogel und seiner Ehefrau

Christiane Wilhelmine wurden in jüngster Zeit erneuert.

 

Die Grabstätte, 1998 als Denkmal erfasst, trägt personengeschichtlichen Charakter.

Angaben zum Gestein: Granit (Einfassung), Cottaer Sandstein, Carrara-Marmor (Platten), verm. Reinhardtsdorfer Sandstein (Medaillon)

Personengeschichtliche Bedeutung:

 

Am 20. Dezember 1813 wurde Wilhelm Traugott Vogel als 4. Kind und zweiter Sohn des Wagnermeisters Christian Gottlieb Vogel und seiner Ehefrau Johanna Sophie geb. Thieme geboren. Er ist Bruder des Stellmachermeisters, späteren Restaurateurs und Bierbrauers Carl August Vogel (21.12.1808-14.03.1881), siehe dazu Denkmalgrab 01.

Wilhelm Traugott erlernte den Beruf eines Maurers, am 06.12.1839 erhielt er das Bürgerrecht  der Stadt Plauen, wurde Maurermeister. Er übte die Funktion eines Obermeisters aus und galt als sehr begabt. Nachstehend zwei Beispiele seiner Bautätigkeit:

 

1838/41 Innenbau der 1. Bürgerschule an der Syrastraße (später Realschule, 1945 zerstört)

 

1858/60 das Krankenhaus an der Hammerstraße, das heutige Gebäude der ZWAV

 

Am 25.01.1852 heiratete er Frau Christiane verw. Eichhorn, geb. Ludwig. Aus der Ehe mit Wilhelm Traugott gingen die beiden Söhne Richard und Hermann hervor. Der am 24.11.1852 geborene, spätere Architekt und Prof. Richard Vogel wurde im Jahr 1879 als Lehrer an die Baugewerkenschule in Plauen berufen, der er vier Jahrzehnte mit Gewissenhaftigkeit und Treue seine Kräfte widmete. Er starb am 03.02.1933 in Syrau und fand hier in der Grabstätte der Eltern seine letzte Ruhe. Hermann Vogel, geboren am 16.10.1854, ein im Vogtland bekannter und bedeutender Kunstmaler, nach dem auch in Plauen eine Straße benannt wurde, starb am 22.02.1921 in Krebes und liegt auf dem dortigen Friedhof begraben.

 

Quellen:

Kirchenbücher

"Frisch auf", Heimat- und Wanderzeitung Nr. 6 v. Dez. 1939, VAT v. 30.11./01.12.

Frank Weiß: Malerei im Vogtland

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergrundtext:

Wilhelm Traugott Vogel konnte meisterhaft mit Pinsel und Zeichenstift umgehen. Im Jahr 1848 entwarf er auf Veranlassung des Superintendenten Ewald Beyer die "Biblischen Wandbilder für Schule und Haus". Diese Bilderbibel war ein hilfreiches Anschauungsmittel für den damaligen Schulunterricht und für Wilhelm Traugott der erste und einzige Versuch auf dem Gebiet der Historienmalerei, ohne eine eigentliche zeichnerische Vorbildung genossen zu haben. Einige Reproduktionen aus dieser Kinderbibel zeigen sein Talent.

 Quelle: VAT Nr. 240, 1929, Seite 18 von Richard Freytag

 

Quelle der Zeichnungen: Staatsbibliothek zu Berlin, Kinder- und Jugendbuchabteilung

 

Im ersten, 1854 veröffentlichten Adressbuch für Plauen wird Wilhelm Traugott als Maurermeister ausgewiesen und er wohnte Am Rinnelberg E. 71. Hier müsste der erstgeborene Sohn Richard 1852 zur Welt gekommen sein. Aber bereits 1854 wohnte er im  von ihm erbauten Haus D 20 G, später unter Fürstenstraße 68 bekannt, an der heutigen Ecke Stresemann- und Hammerstraße gelegen. Denn dieses Haus (siehe Foto) galt als das Geburtshaus von Hermann Vogel. Sicher ist vielen älteren Plauener Bürgern dieses Gebäude, das 1988 abgerissen wurde, noch bekannt.

 

 

Quelle: Vogtland-Museum

 

 Am 20. Oktober 1929 ließ die Stadt Plauen aus Anlass seines 75. Geburtstages eine Erinnerungstafel anbringen.

 

Vorgenanntes Haus wurde von Wilhelm Traugott relativ schnell wieder verkauft und im Adressbuch aus dem Jahr 1863 führte er seinen Wohnsitz und sein Unternehmen  stadteinwärts gelegen in der Hammerstraße 19. Hier lebte Wilhelm Traugott mit seiner Familie bis zu seinem Tod 1878. Seine Söhne Richard und Hermann  bewohnten es noch bis 1887.  

 

Quellen: Bauakten Stadtarchiv Plauen; Verwaltungsbericht der Stadt Plauen 1929-1930, Seite 2

 

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Maurermeister wirkte Wilhelm Traugott  auch als Lehrer an der Baugewerkenschule und unterrichtete Projektions-, Ornamenten- und architektonisches Zeichnen.


   

                                   Quelle: Adreßbuch 1874, Seite 33

 

Aus all diesen Aufgaben spricht der begabte Mann, der seinen Söhnen Anregungen gab und sie zweifellos beeinflusste.

 

Sohn Richard Vogel besuchte in Plauen die Baugewerkenschule und danach die Akademie in Dresden. Von Dresden aus erhielt er Stipendien, die ihm Studienreisen nach Italien und Griechenland ermöglichten. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück und wurde 1879 als Lehrer an die Baugewerkenschule, in der auch schon der Vater unterrichtete, berufen. Vier Jahrzehnte übte er diese Tätigkeit aus.

Seinen Lebensabend verbrachte Richard Vogel in Fasendorf. Er galt als eifriger Jäger und Schütze.

Am 05. März 1881 heiratete Richard Vogel Martha Marie Kettner (22.06.1861-10.06.1932). Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor. 

 

 

                              Quelle: Vogtländischer Anzeiger und Tageblatt vom 7. Februar 1933

 

 

Quellen:

Kirchenbücher

Historische Plauener Adressbücher

Personenstandsdaten aus dem Stadtarchiv Plauen

Wandstellengrabbuch Friedhof I

Großes Lexikon der Bestattungs- und Friedhofskultur, Band 1 und 2

 

 

Brigitte Kunze

Quelle: Foto Hammerstraße 28 - Dr. Heinz Zehmisch Von der Badestube bis zum Vogtlandklinikum