
Grabfigur des Grabs Otto Schurig
Foto: Friedhof I, 2020
Kurzbeschreibung des Grabmals:
Die Ruhestätte der Familie Otto Schurig ziert eine Trauernde mit Lyra. Die Galvanoplastik, eine Fertigung der WMF Geislingen, entwarf der Bildhauer Richard Schipke. Die fachgerechte Ausführung der Grabstätte übernahm Steinmetzmeister Hermann Schmeißer.
Das Grab wurde 2005 als Denkmal erfasst und als Werk der bildenden Kunst und des Kunsthandwerks eingestuft.
Personengeschichtliche Bedeutung:
Otto Schurig stammte aus einem bescheidenen, bürgerlichen Hause und wurde am 29. Januar 1874 als drittes von sieben Kindern geboren. Vater Louis Schurig wurde in damaligen Adressbüchern als Sticker geführt.
Die Mutter starb bei der Geburt des letzten Kindes.

Familie Schurig um 1880: Otto, Vater Louis mit Paul, Alfred (wurde 1939 ebenso in der Grabstätte beigesetzt),
Linna, Mutter Schurig mit Liesel, Lenel
Foto: privat
Otto Schurig heiratete 1898 Anna Morgner (21.02.1878-2.12.1934).

Otto und Anna Schurig in ihrem Rex-Simplex, 1912
Foto: privat
Otto und Anna Schurig hatten vier Kinder:
Herbert (1899-1939), Elsbeth (1903-1977), Erich (1907-1994) und Walter (1901-1944). Letzterer kehrte nicht aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. An ihn erinnert eine Namensinschrift am Grab.

Tochter Elsbeth als Säugling


Tochter Elsbeth als Mädchen in Kleidern aus Spitze der eigenen Produktion
Fotos: privat
Otto Schurig erlernte den Beruf des Kaufmanns und verbrachte im Anschluss an die Lehre knapp zwei Jahre in England, wodurch er die englische Sprache lernen und später auch geschäftlich nutzen konnte.
1899 gründete er eine Stickerei- und Spitzenfabrik- zuletzt ansässig in der Karlstraße 35 in Plauen.
Aus kleinen Anfängen heraus hatte er das Geschäft, dem ab 1911 eine Zweigabteilung in Zeulenroda angegliedert war, zu großer Bedeutung entwickelt. Viele seiner Waren lieferte er ins Ausland, insbesondere nach England und auch nach Ägypten.

Briefkopf der Fa. Otto Schurig

Werbeblatt eines Londoner Geschäfts mit Schurig-Spitzen
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Schurig als Fahrer, um die Armee an der französischen Front zu versorgen. 1915 wurde er einberufen und in Russland eingesetzt. Im Kriegsdienst wurde er zeitweise krankheitsbedingt beurlaubt.

Potrait Otto Schurig als Soldat im Ersten Weltkrieg
Foto: privat

Original Muster der Spitzenfabrikation Schurig

Firmenfoto zum 10-jährigen Bestehen v. 1.7.1909
Foto: privat
Neben der Jagd galt Otto Schurigs Leidenschaft dem Chorgesang. 1902 schloss er sich dem „Plauener Männerchor“ an und übernahm dort Aufgaben im Vorstand und ab März 1914 auch die Leitung des Vereins, die er nach der Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg fortführte. Noch am Abend des 16. Juli 1920 nahm er an der Singstunde teil. Schon am nächsten Tag durcheilte die traurige Nachricht die Stadt, dass der geliebte Sangesbruder am 17. Juli 1920 morgens um 6 Uhr an den Folgen eines Gehirnschlages starb.
Seine Sangesbrüder würdigten sein Leben in ihrer Gedenkrede und setzten dem Mann, der keine Standesunterschiede kannte- so die Rede- mit der Grabfigur ein bleibendes Denkmal.
Anna Schurig starb 1934 und wurde im Grab ihres Mannes bestattet.
Elsbeth Schurig heiratete Walter Stöckel (1898-1992).
Dem Ehepaar wurden sechs Kinder geschenkt: Rudolph, Maria, Friedrich Wilhelm, Regina, Heinrich und Gisela, die als Einjährige noch während des Kriegs 1945 einer Bronchitis erlag.
Walter Stöckel betrieb bis in die 1970er Jahre eine Kafferösterei auf dem Neustadtplatz, welche von seinem Vater 1887 gegründet wurde. Die Rösterei musste wegen dem Neubau der Elterbrücke weichen.

Eintrag aus dem Adressbuch Plauen 1888/1889

Artikel über die Kafferösterei Stöckel
Freie Presse v. 10.02.2014
Elsbeth Stöckel verstarb am 24.09.1977 in Hamburg. Ihr Sarg wurde überführt und in der Grabstätte ihres Vaters begesetzt.
Quellen: VAT Nr. 165 v. 18.07.1920
Gedenkrede des Plauener Männerchor-Vereins
Angaben der Familie Stöckel/Treibmann
(C) Brigitte Kunze+Friedhof I
Plauen 2021+2025