Grabstätte Pessler / Steger / Poppitz

Beschreibung der Grabstätte:

schlicht gestaltete Wandgrabstätte (im Sinne der Friedhofsreformbewegung des beginnenden 20. Jhs.) aus Kalkstein mit Sitzbänken und Amphoren

Angaben zum Gestein: oolithischer Kalkstein

 

Alfred Paul Steger

 

Der spätere Kommerzienrat Alfred Paul Steger stammte aus Luckau im damaligen Regierungsbezirk Frankfurt/Oder. Erstmals wird er im Plauener Adressbuch von 1870 als Commis mit der Wohnanschrift Königsstraße A 101 erwähnt. Er heiratete am 08. Mai 1873 Johanna Ulbricht. Im Traueintrag 1873 Nr. 87 des Kirchenbuches der Johanniskirche ist sein Geburtsdatum erwähnt. Es lautet 7. Oktober 1843 und weicht somit gegenüber anderen Veröffentlichungen, wie in den Angaben der historischen Adressbücher und im Straßennamenverzeichnis der Stadt Plauen ab.

 

Seine Ehefrau Johanna Ulbricht erblickte als 5. Tochter, 6. Kind am 26. November 1854 in Plauen das Licht der Welt. Ihre Eltern waren Robert Hermann Ulbricht, Kaufmann und Julie Auguste geb. Leipoldt.

 

Als Paten von Johanna sind eingetragen:

 

Frau Christiane Caroline Louise Mammen, Ehefrau von Kaufmann Mamme Hinrich, geb. Scherzer

Frau Hedwig Leipoldt, Ehefrau von Herrn Christian Friedrich, geb. Sommer und

Carl Röder, Kaufmann aus Rodewisch

 

Alfred Paul Steger wird Teilhaber der Firma Klemm & Steger, in der Forststraße 9. Gemeinsam mit Oscar Constantin Klemm betreibt er ein Stickerei- und Konfektionsgeschäft. Klemm stirbt am 30. Juli 1888 im Alter von 44 Jahren und Alfred Paul Steger führt als alleiniger Inhaber das Unternehmen weiter.

 

Quelle: Adressbuch Plauen 1886

 

Steger, in der Zwischenzeit zum Großindustriellen aufgestiegen, lag die Erhaltung und Förderung der Plauener Spitzen- und Stickereiindustrie am Herzen. Lange Zeit übte er das Amt des Vorsitzenden des Zentralverbandes der Stickereiindustrie für Sachsen aus. Außerdem war er Mitbegründer und Vorsitzender des seit dem 23. Februar 1894 bestehenden Fabrikanten-Vereins der Stickerei- und Spitzenindustrie. Zweck dieses Vereins war, die allgemeinen Interessen der Stickerei- und Spitzenindustrie in Sachsen zu wahren. Das Klären praktischer, gewerblicher und geschäftlicher Fragen sollte den Fabrikanten helfen und der gemeinsamen Verständigung dienen.

 

Steger war Mitgründer und Vorsitzender der auf Schaffung von Arbeiterwohnungen bedachten Baugesellschaft Plauen GmbH. Der Mangel an kleinen, gesunden und möglichst billigen Wohnungen war Anlass, dass sich 1897 aus der Plauener Bürgerschaft unter Beteiligung in erster Linie von Vertretern der Industrie die vorgenannte Baugesellschaft bildete. Dem Verwaltungsbericht der Stadt Plauen von 1898 entnommen, entstanden bereits im ersten Jahr nach Gründung zwölf Häuser mit 128 Wohnungen. Sie befanden sich in der Dobenaustraße und Stöckigter Straße.

Steger bekleidete über viele Jahre das Amt eines Handelsrichters, war ein Freund der Natur und naturgeschichtlicher Studien. Von seiner umfangreichen Schmetterlingssammlung übergab er schon zu Lebzeiten einen Großteil dem damaligen Realgymnasium.

 

Ab 1897/1898 wird Steger im Adressbuch als Königlich Sächsischer Kommerzienrat geführt. 1899 erlitt er einen Schlaganfall, von dem er sich nicht recht erholen konnte. Am 27. März 1901 starb Alfred Paul Steger im Alter von 57 Jahren an einer Lungenentzündung. Er hinterließ seine Ehefrau, die Töchter Martha, Elise und Marianne Steger. Er genoss in Plauen hohes Ansehen. Das beweisen die vielen Beileidsbekundungen und Todesanzeigen, die im Vogtländischen Anzeiger und Tageblatt erschienen, darunter auch ein Bericht über die Trauerfeier auf Friedhof I.

Sein Engagement für die Stadt Plauen wurde gewürdigt. Eine Straße in der Plauener Ostvorstadt trägt seinen Namen. Auch dort entstanden weitere Häuser von der von ihm mitgegründeten Baugesellschaft.

Martha ehelichte den Kaufmann Carl Friedrich Rudolph Peßler, Sohn von Ernst Ferdinand Peßler, der zusammen mit Jakob Fleischer die erste mechanische Weberei in Plauen gründete.

Marianne heiratete 1904 Richard Walther Poppitz. Der Vater, Kommerzienrat Magnus Walther Poppitz, liegt auf Friedhof II begraben.

 

Stand: 12. Mai 2020

 

Familie Peßler

 

Ernst Ferdinand Pessler wurde am 31. August 1855 in Plauen im Beisein des Bürgermeisters Gottschald und den Stadträten Wieprecht, Ludwig, Pippig, Wagner, Schmidt, Zürner und Cramer das Bürgerrecht verliehen. Er stammte aus Leipzig.

Quelle Bürgerbuch Plauen

Er gründete zusammen mit Fleischer die erste mechanische Weberei. 1870 wird er noch im Adressbuch als Teilhaber F. Fleischer geführt.

 

Verheiratet war Ernst Ferdinand Pessler mit Adelheid Lina Constanze geborene Braun. Einer Tochter von Dr. Alexander Karl Hermann Braun, Gerichtsdirektor und Advokat, Amtshauptmann, aber auch für eine gewisse Zeit Vorsitzender des sächsischen Gesamtministeriums.  

 

Aus der Ehe stammen mehrere Kinder, darunter der am 29. Dezember 1866 als 3. Sohn, 5. Kind geborene Carl Friedrich Rudolph Pessler. Friedrich Martin Fleischer wird als Pate geführt. Rudolph heiratete Martha (29.08.1877-02.12.1956), die Tochter von Alfred Steger.

Und aus dieser Ehe, stammen zwei Söhne Rolf und Herbert, sowie die Tochter Ilse, die Erich Hempel ehelichte.

 

Carl Friedrich Rudolph war Inhaber der mechanischen Weberei Ernst Peßler in Plauen und Treuen. Er besuchte in Plauen und Wurzen Gymnasien und übernahm nach gründlicher kaufmännischer und technischer Ausbildung sowie nach Beendigung seiner Militärzeit die väterliche Weberei, die sich damals in der Schlossstraße 17 befand und nach 1913 die Hausnummer 5 erhielt. Die Brandkataster-Nr. C 71 V blieb gleich.

 

Carl Friedrich Rudolph starb am 26.10.1920 an einer Blutvergiftung und Lungenentzündung.

Sein Nachruf wird im VAT abgedruckt.

 

VAT Nr. 252 v. 28.10.1920

 

Die Söhne Rolf und Herbert führten nach dem Ableben ihres Vaters das Unternehmen weiter.

 

Kommerzienrat Walter Poppitz 9. September 1848 - 9. Juni 1933

Dem Verwaltungsbericht auf die Jahre 1924 - 1928 ist zu entnehmen, dass Walter Poppitz zu seinem 80. Geburtstag von der Stadt Plauen geehrt wurde.

Abschrift aus dem Vogtl. Anzeiger und Tageblatt vom Sonntag, 11. Juni 1933

Kommerzienrat Walter Poppitz , gestorben am 9. Juni 1933

Im gesegneten Alter von fast 85 Jahren verschied nach längerem Leiden sanft und ruhig Kommerzienrat Walter Poppitz, eine in der heimischen Industrie wohlbekannte und hoch angesehene Persönlichkeit. Vor mehr als sechs Jahrzehnten kam der nun in Gott Ruhende, nachdem er beim 2. Sächs. Grenadier-Regiment am Kriege 1870/71 teilgenommen, nach Plauen und begründete hier im Jahr 1872 unter eigener Firma sein Stickereifabrikationsgeschäft, das er durch Tüchtigkeit, Fachkenntnis und nimmermüdem Fleiß auf eine beachtliche Stufe brachte, so daß es schon Mitte der achtziger Jahre zu den bedeutendsten Firmen der Branche zählte. Im Jahr 1914 zog er sich in das Privatleben zurück und überließ die Leitung seines ausgedehnten Geschäftsunternehmens seinem Sohne, der es unter der Firma Walter Poppitz jun. weiterführte.

Neben der Ausübung seiner Berufstätigkeit hat sich der Verewigte in umfassendem Maße im Dienste der Öffentlichkeit betätigt. So war er Mitbegründer des ersten Plauener Fabrikantenvereins der Stickereiindustrie und lange Jahre dessen Vorstandsmitglied. Auch den Vogtl.-Erzgebirgischen Industrie-Verein hat er mitbegründet und ihn viele Jahre hindurch vorbildlich geführt, so daß ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde.

An der Errichtung der Vogtländischen Stickereifachschule und der Schneeberger Klöppelspitzenschule hatte er lebhaften Anteil. Darüber hinaus betätigte er sich noch in weitgehendem Maße bei gemeinnützigen Bestrebungen, für die er jederzeit ein warmes Herz und offene Hand hatte.

So war er einer der Ersten, der als Mitglied der 1896 gegründeten Gemeinnützigen Baugesellschaft m. b. H. beitrat. Bald darauf wurde er deren Geschäftsführer, ein Amt, das er 26 Jahre ehrenamtlich verwaltet hat.

Als Vorsitzender des damaligen Nationalliberalen Vereins hat er sich auch politisch betätigt, und von 1905 bis 1909 war er Mitglied der Zweiten Sächsischen Ständekammer.

Dem sächsischen Heimatschutz hat er seit seiner Begründung seine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht, ebenso der künstlerischen Ausschmückung unserer Stadt, die er bei Errichtung des Bismarck-, Moltke- und König-Albert-Denkmals tatkräftig zu fördern wußte. Ebenso steuerte er einen namhaften Betrag für die Erbauung der Markuskirche bei.

An äußeren Ehrungen und Auszeichnungen hat es ihm nicht gefehlt, so besaß er das Ritterkreuz 1. Kl. vom Albrechtsorden und den Titel Kgl. Sächs. Kommerzienrat. Der Kriegerverein, dem er seit mehr denn fünf Jahrzehnten angehört, verlieh ihm vor Jahren schon die Ehrenmitgliedschaft.

Seine Gattin, mit der er es ihm vergönnt war, die goldene Hochzeit zu feiern, ist ihm vor einigen Jahren im Tode vorausgegangen, und um den Hochbetagten wurde es seitdem recht still. Bis vor etwas Jahresfrist erfreute er sich noch einer beneidenswerten Gesundheit und Lebensfrische, doch ging es seitdem gesundheitlich mit ihm langsam bergab.

Abschrift aus dem Vogtl. Anzeiger und Tageblatt vom Mittwoch, 14. Juni 1933

Beisetzung von Kommerzienrat Walter Poppitz am 12. Juni 1933

Die Beisetzung von Kommerzienrat Walter Poppitz, des am 9. Juni im 85. Lebensjahr heimgegangenen angesehenen Textilindustriellen, fand am Montag mittag auf Friedhof I statt. In der Einsegnungshalle hatte sich eine sehr große Zahl von Leidtragenden, vor allem Vertreter der heimischen Industrie, mit der der Entschlafene jahrzehntelang verbunden war, eingefunden, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der Sächs. Verein der Grenadiere, dessen Ehrenmitglied der Verblichene gewesen, hatte eine Fahnenabordnung und den Schützenzug entsandt, der die Ehrensalven für den Mitkämpfer von 1870/71 abfeuerte. Auch der Kriegerverein, dessen Ehrenmitgliedschaft er ebenfalls besaß, war durch eine Abordnung vertreten.

Pfarrer Thomas hielt eine herzanbringende Traueransprache, in der er ein Bild von dem langen gesegneten Leben des Entschlafenen zeichnete. Frau Dr. Hartenstein verschönte die Feier in der Einsegnungshalle durch würdevollen Gesang, und Fabrikant Schönfeld würdigte den in Gott Ruhenden als früheren Vorsitzenden und Ehrenmitglied des

Vogtl. Erzgebirgischen Industrievereins sowie als Ausschußmitglied der Sächs. Höheren Fachschule für Stickerei-, Spitzen- und Konfektionsindustrie.

Rechtsanwalt Dr. Arnold nahm als Vorsitzender des Kriegervereins Abschied von dem treuen Kameraden und langjährigen Ehrenmitglied des Vereins. Beide Sprecher legten Kränze am Sarge nieder. Es erfolgte die Ueberführung zur Gruft, an der der Vorsitzende des Grenadiervereins dem toten Kameraden unter Kranzniederlegung noch herzliche des Abschieds und des Dankes widmete. – Der Rat der Stadt Plauen hat den Hinterbliebenen ein Beileidsschreiben zugehen lassen.

Abschrift aus dem Wandstellenbuch No. 21 B – Friedhof II

Das Familiengrab No. 21 B liegt an der Mauer zur Chamissostraße.

Poppitz, Walther, Kaufmann Gottschaldstraße 27 –

Überschreibung der Grabstätte: 24.12.1904

Beigesetzter: Weydling, Albin Alfons, Hauptmann a. D. Reichsstr. 13

5./7. Mai 1907, 39 Jahre, Schwiegersohn des Besitzers

Beigesetzte: Poppitz, Louise Henriette geb. Hetzer, Ehefrau, Gottschaldstr. 27

2./5. März 1931, 81 Jahre, 9 Monate

Beigesetzter: Poppitz, Walter Magnus, Kommerzienrat, Gottschaldstr. 27

9./12. Juni 1933, 84 Jahre, 9 Monate

Poppitz, Marianne geb. Steger, Gottschaldstraße 27

Überschreibung der Grabstätte: 26.10.1937

Beigesetzte: Weydling, Elsa Luise geb. Poppitz, Gottschaldstraße 27

2./6. Mai 1940, 64 Jahre, 5 Mon.

Magnus Walther Poppitz erhielt am 23. Januar 1873 das Bürgerrecht von Plauen. Als Heimatort ist Chemnitz notiert und hier wird auch sein Geburtstag 9. 9. 1848 erwähnt.

Beruflicher Werdegang:

Poppitz wird erstmals 1874 im Adressbuch erwähnt. Er betrieb in der Seminarstraße ein Geschäft mit weißbaumwollenen Waren und Stickereien. 1878 wird er als Stickereifabrikant in der Carlstraße 20 geführt und ab 1881 besitzt er in der Gottschaldstraße 27 eine Stickereifabrik, in die später auch sein Sohn Walther, der mit der Tochter von Paul Steger verheiratet war, geleitet wird.

 

Zusammen mit Paul Steger gründet Magnus Walther den oben angeführten Fabrikanten-Verein. Paul Steger stirbt bereits 1901. Gemeinsam gründeten sie aber auch die Baugesellschaft Plauen. Der außerordentliche Mangel an kleinen, gesunden und möglichst billigen Wohnungen war Anlass, dass sich im Jahr 1897 Industrielle zusammenschlossen

und eine Baugesellschaft ins Leben riefen. So entstanden Anfang 1900 z. B. in der Stöckigter Straße die Häuser 77 - 85, und in der Stegerstraße die Häuser 1 - 5, die zu Ehren von Paul Steger so genannt wurde.

 

 

In den Adressbüchern wird ein falsches Geburtsdatum von Paul Steger angegeben. Lt. Kirchenbucheintragungen und Bürgerbuch wurde er am 7. Oktober 1843 geboren.