Grabstätte der Familie Franz August Mammen

Dem Buch „Franz August Mammen in Plauen Leben und Wirken eines sächsischen Industriellen“ von Prof. Dr. Franz v. Mammen, aus dem Jahr 1935 ist die Abbildung der Familiengrabstätte entnommen. Einst sehr repräsentativ, nahm sie im Krieg Schaden. Von der Firma Grabstein-Schneider wurden in den 1960er Jahren die hier aufgestellten Grabplatten gefertigt. Die Schrift entstand maschinell ausgeführt im Sandstrahlverfahren von der Fa. Irmisch. Das im Jahr 1997 unter Denkmalschutz gestellte Grabmal hat leider sehr an Anziehungskraft verloren.

Schade, nahm diese Familie doch im 19. Jahrhundert einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Plauener Spitzenindustrie.

Franz August Mammen wurde am 27.10.1813 in Neuharlingersiel (Ostfriesland) geboren und starb am 23.12.1888. Nach Schul- und Gymnasiumbesuch begann er 1828 eine kaufmännische Lehre in einer Eisenhandlung. 1833 kam er nach Plauen und wurde Kommis in der Weißwaren- und Spitzenfabrik Schmidt & Brückner.

Selbstlos rettete Mammen 1834 zehn Menschen das Leben, die bei einer Hochwasserkatastrophe der Syra zu ertrinken drohten. Dafür wurde er 1835 von der Königlich-sächsischen Landesdirektion mit einer goldenen Lebensrettungsmedaille in Gold geehrt, die er nicht annahm. Der Erlös des Goldes floss den Opfern der Katastrophe zu.  

Nachdem Franz August Mammen im April 1838 das Bürgerrecht Plauen erhielt, erwarb er im gleichen Jahr am 1. Juni zusammen mit dem Bruder seines Schwagers Robert Albert Ulbricht das Schmidt-Brücknersche Geschäft vom damaligen Inhaber Ludwig Schmidt und führte es seitdem unter der Firma F. A. Mammen & Co. Rasch entwickelte sich daraus eine Weißwaren- und Spitzenfabrik, die später zum Großunternehmen aufstieg und Weltruhm genoss.

Er war Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung sowie Abgeordneter im Sächsischen Landtag und im Reichstag des Norddeutschen Bundes.

Auch in Plauen politisch sehr engagiert wird er in den Akten der Handels- und Gewerbekammer ab 1862 – 1871 als Präsident geführt. Außerdem war Mammen 1870/71 Vorsitzender des örtlichen Kriegshilfevereins. Er gehörte der Freimaurerloge „Pyramide“ an wurde dort zum Ehrenmeister ernannt.  

Franz August Mammen heiratete am 23. August 1838 Auguste Dorothea geb. Rau aus Zwickau. Aus dieser Ehe gingen vier Töchter und ein Sohn hervor.

Zur Erinnerung wurde in Plauen eine Straße und ein Wohngebiet nach ihm benannt.

Quellen: Franz August Mammen in Plauen Leben und Wirken eines sächsischen Industriellen von Prof. Dr. Franz v. Mammen, 1935

 

Quelle: Festschrift Geschichte der

Freimaurerloge „Pyamide“

 

Quelle: Das Glück auf der Nadelspitze

 

Quelle: Wikipedia

Theodor Bickel

Die Tochter Thekla Meta Henriette (27.07.1843 - 04.08.1920) heiratete am 04.10.1862 Theodor Bickel.

Theodor Bickel wurde am 30. Januar 1837in Erlangen in Bayern geboren. Sein Vater war Kaufmann und Hutfabrikant Stephan Ludwig Bickel, geb. am 2. Sept. 1791 in Erlangen, gestorben am 2. September 1874 in Hamburg. Seine Mutter Elisabeth geb. Grossmüller, Tochter einer Patrizierfamilie in Fürth. Sie lebten die ersten Jahre nach der Geburt von Theodor in Erlangen und zogen 1842 nach Hamburg.  

Durch Einheirat wurde er Mitinhaber der Firma F. A. Mammen.

1880 gelang es einer Arbeitsgemeinschaft unter Bickels Leitung erstmals glatten Tüll ohne Unterlage zu besticken. Das neue Erzeugnis erreichte eine rasche Verbreitung auf dem Weltmarkt unter der Bezeichnung Plauener Spitze.

 

Theodor Bickel starb am 05.04.1903 in Bozen

Quelle: Theodor Bickel der Begründer der sächsischen Tüll-Spitzen-Industrie

Herausgegeben von Otto Tröger, Plauen, Buch in Bibliothek einsehbar.

 
Weitere Kinder der Familie Franz August Mammen
 
Die Tochter Mammens Helene (07.10.1839-18.08.1880) heiratete den Kaufmann Gustav Albin Jahn (07.03.1835 – 22.12.1896). Er war Mitinhaber der Firma Karl August Jahn und Begründer der Spitzenfirma G. A. Jahn in Plauen, Rädelstraße 18. Der Ehe entstammen sechs Kinder: drei Töchter und drei Söhne.

Die Firma Gustav Albin Jahn spielte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine wichtige Rolle in der Plauener Spitzenindustrie.

Besonders zu erwähnen ist der älteste Sohn Franz (14.09.1859 gestorben nach 1926 in Frankreich?). Er lernte in Calais für das Brüsseler Einkaufshaus der Firma Muser Brothers & Co., New York, und arbeitete als Kommis in Nottingham bei The Midland Lace Co. Ltd. Zurückgekehrt führte er die Firma zusammen mit seinem Vater, später allein weiter. (vgl. „Das Glück auf der Nadelspitze“, Willy Erhardt)

Im Jahre 1900 zur Weltausstellung in Paris wirkte Franz Jahn in der Gruppe XIII, Klasse 84 für Spitzen, Stickereien und Passementerie als Preisrichter. Die dort vorgestellten Spitzenerzeugnisse erhielten einen Grand Prix.

Franz August Mammens zweite Tochter Clara Martha (20.09.1840-18.03.1887) heiratete Emil Theodor Kerstan, einen Obersteuerinspektor, Oberzollrat in Dresden. Die älteste Tochter aus dieser Ehe, Anna, war die Ehefrau von Dr. Dittrich, Oberbürgermeister von Plauen. Anna folgten, außer drei früh verstorbenen Geschwistern noch drei Brüder.

Hermann Kerstan praktizierte als Arzt in Plauen und heiratete die Tochter von Richard Schmidt und dessen Frau Alma geb. Zöbisch.

Theodor, Landgerichtsrat in Leipzig, ehelichte eine Kaufmannstochter aus Crimmitschau und Johann war vermählt mit Margarethe Ludwig, Tochter des Plauener Kaufmanns Richard Ludwig.

Franz August Mammens vierte Tochter Eugenie Dorothea Luise ( 06.12.1844 – 08.03.1927) war mit Ludwig Roloff Spethmann verheiratet. Über sie ist nichts überliefert.

Der einzige Sohn Enno (13.02.1847 – 25.05.1903) verheiratet mit Constanze Weisbach war bis 1890 mit seinem Schwager Bickel Teilhaber der Firma. Aus der Ehe stammen die Söhne Franz und Bernhard.

Franz von Mammen schrieb 1935 die Biografie über seinen Großvater.

 

niedergeschrieben 2021, Brigitte Kunze